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08.08.19

Unsere Teilnahme an der 420er Weltmeisterschaft in Portugal


Seitdem Karen Fischer (SGSP) und ich gemeinsam segeln, haben wir uns das Ziel gesetzt, gemeinsam zu einer Internationalen Meisterschaft zu fahren. Das Qualifikationssystem im 420er ist recht kompliziert und vielteilig.

Kategorie: Segeln
Erstellt von: detlev

Bereits im vergangenen Herbst nahmen wir an dem Oktoberfestpreis in Tutzing auf dem Starnberger See teil. Auf Grund fehlenden Windes kam hier keine Wettfahrt zu Stande. Dadurch hatte jeder Teilnehmer der Regatta 50 Punkte für die Qualifikation bekommen. Da allerdings auch hier nach dem Low-Point System gerechnet wird, war diese Punktzahl nicht zwingend eine gute Ausgangssituation für unsere Qualifikationsserie. Hoch motiviert sind wir daraufhin zur deutschen Meisterschaft nach Wismar gefahren, welche als zweite von drei Qualifikationsregatten zählte. Nach vier sehr stürmischen und anstrengenden Tagen konnten wir uns als erste im Silberfleet und einem 42 Platz in der Gesamtwertung behaupten. Relativ zufrieden mit dieser Platzierung starteten wir ins Winterhalbjahr und trainierten so viel wie möglich, um unsere Ziele zu erreichen. Durch die Änderung des Bootsklassenkonzeptes des VBS waren wir gezwungen, uns nach einer neuen Trainingsgruppe umzuschauen. Sehr positiv und aufgeschlossen wurden wir in der Trainingsgruppe vom VSaW in Berlin begrüßt, mit welcher wir in den Osterferien ins Trainingslager nach Slowenien fuhren. Mitte Mai ging es dann nach Schwerin zum Sparkassencup, der dritten Qualifikationsregatta. Der Winter hatte sich ausgezahlt. Mit einem hervorragenden 13. Platz von 80 Booten war die Qualifikation fürs Finale geschafft.

In das Finale werden die besten 50 420er Teams Deutschlands eingeladen, die an mindestens zwei der drei Qualifikationsregatten teilgenommen hatten. Wir hatten uns bis dahin auf den 25. Platz dieser Liste gearbeitet und nun war auch die Option, zu einer Internationalen Meisterschaft zu fahren, zum Greifen nahe. Wir gaben uns größte Mühe, keinen Druck auf uns selbst auszuüben, und so segelten wir uns am ersten Wettfahrttag in drei Wettfahrten auf den 11. Gesamtplatz und waren damit 3. Damenteam. Nachdem die anderen beiden Wettfahrttage nicht ganz so vorteilhaft für uns liefen, lagen wir auf Platz 26 insgesamt. Wir hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben, als wir völlig unerwartet bei der Siegerehrung erfuhren, dass wir uns als eines von 7 Damenteams für die Weltmeisterschaft qualifiziert hatten. Die Frage, ob wir die Nominierung annehmen, beantworteten wir mit einem begeisterten „JA!“

Wir haben damit von Ende Juni bis Mitte Juli in Vilamoura, Portugal, Deutschland das Sailing-Team-Brandenburg vertreten. An dieser Stelle bedanken wir uns schon einmal ganz herzlich bei unseren Eltern, Trainern sowie unseren Vereinen für die Unterstützung in den letzten Monaten.

Nun möchte ich euch von diesem bewegenden Erlebnis berichten.

Bereits am 27. Juni sind wir gemeinsam mit unseren Trainingsgruppenmitgliedern Tom und Jean-Ali (VSaW) nach Faro im Süden Portugals geflogen. Unsere Boote wurden schon zwei Wochen zuvor in den Regattahafen nach Vilamoura gebracht. 

Am nächsten Morgen ging es für uns zeitig in den Hafen, wo wir auch auf unseren Trainer Roman Schütt trafen. Er sollte für die nächsten zwei Wochen auf dem Wasser unser Trainer und Ansprechpartner sein. Der Vormittag wurde zum Bootsbau und Trimmüberprüfen genutzt und am Nachmittag ging es dann das erste Mal auf´s Wasser. Unerfahren, aber mit reichlich viel Neugier auf Segeln in Tide und mit viel Strom, realisierten wir schnell, dass es Zeit wurde, Gezeitenkarten etwas genauer zu studieren - vor allem bei wenig Wind. 

Ab dem 29. Juni nahmen wir an der „Vilamoura Open“ teil - einer Regatta, die uns auf die kurz bevorstehende WM vorbereiten sollte. Hatten wir uns gerade an das Gefühl gewöhnt, bei nationalen Regatten auch mal unter den ersten Zehn im Ziel zu sein, sah es in der Spitze der Welt noch etwas anders aus. Trotzdem schafften wir es, uns in den drei Wettfahrttagen einen guten 11. Platz der 20 teilnehmenden Damenteams, zu erkämpfen.

Mit den gesammelten Erfahrungen aus dieser Regatta konnte das Training in den zwei verbleibenden Tagen bis zur WM effektiv gestaltet werden. Wir mussten aber auch realisieren, dass das lange Segeln bei der intensiven Sonne extrem an unseren Kräften und der Konzentration zehrte. So sahen wir uns gezwungen, das Training mit ausgedehnteren Ruhephasen zu kombinieren.

Am 4. Juli war es endlich soweit – die WM begann. Als Erstes stand für alle Teams jedoch die Vermessung auf dem Programm. Dies bedeutete, Abtakeln und jede Schot, jeden Strecker, jeden Schäkel zu demontieren. Der blanke Rumpf jedes Schiffes wurde gewogen, Ruder und Schwert mit Schablonen überprüft sowie jedes Segel inspiziert und zur Nutzung bei der WM freigegeben. Nach erfolgreichem Wieder-zusammenbasteln ging es am Abend mit der gesamten deutschen Mannschaft von 20 Teams aus allen drei Wertungsgruppen (Open, Damen und U17) zur feierlichen Eröffnung.

Nach einem weiteren Trainingstag war am 6. Juli dann Start zu den beiden ersten Qualifikationswettfahrten. Hiervon waren sechs Rennen ausgeschrieben. Danach gab es die Entscheidung über die Finalgruppen. In Gold- und Silberfleet waren weitere sechs Wettfahrten geplant. Pünktlich zum Mittag setzte die Thermik ein. Bei zunächst schwachen 2 bis 3 Bft hatten wir Schwierigkeiten unseren Rhythmus zu finden. So reichte es im ersten Rennen gerade für Platz 28 von 37 Startern in unserer Gruppe. Mit auffrischendem Wind bis 5 Bft konnten wir unser Können deutlich besser zeigen und ersegelten einen 19. Platz und lagen damit nach dem ersten WM-Tag auf Platz 53 von insgesamt 74 Booten.

Die folgenden beiden Regattatage boten für uns hervorragende Windbedingungen. Bei Windstärken von 4 – 5 Bft kamen wir immer besser ins Rennen und konnten uns in der 5. Wettfahrt mit einem 8. Platz sogar in die Top Ten segeln. Am Ende der drei Qualifikationstage lagen wir somit auf Platz 28. Damit hatten wir uns – für uns vor der WM kaum vorstellbar – für das Goldfleet qualifiziert. Der Gesamtplatz 37 - der letzte Platz des Goldfleets - war schon mal sicher.

Mit extremer Anspannung starteten wir am kommenden Tag in die Finalrennen und nichts funktionierte. Der schwache Wind tat das Übrige und zwei 36. Plätze schoben uns deutlich nach Hinten. Enttäuscht von diesem Tag halfen uns Gespräche und Telefonate mit Freunden und Trainern uns bewusst zu machen, dass wir schon längst auch unsere eigenen Erwartungen übertroffen hatten. So entspannt und wieder neu motiviert ging es den letzten Wettfahrten entgegen. 

Da auch der Atlantik nicht immer ein perfektes Segelrevier ist, warteten wir am vorletzten Regattatag vergeblich auf Wind. Auch die Prognosen für den Abschlusstag waren schlecht. Nichtsdestotrotz plante die Wettfahrtleitung in einem zu erwartenden kleinen Windfenster drei Wettfahrten. Obwohl der Wind sehr sparsam war, konnten wir uns mit zwei guten Ergebnissen (Platz 27 und 19) im starken Feld behaupten. Leider reichte der Wind nicht mehr für die dritte Wettfahrt. 

Somit wurde die Weltmeisterschaft mit vier Finalrennen und insgesamt zehn Wettfahrten beendet. Für uns stand am Ende ein 32. Platz - und damit drittbestes Deutsches Damenteam - auf der Ergebnisliste. Stolz, zufrieden und überglücklich ging es am Abend nach dem Verladen der Boote zur Siegerehrung. Der Aufforderung von Freunden, Familie und Trainern, dieses Ergebnis ordentlich zu feiern, folgten wir spontan.

Gerne möchten wir uns auf diesem Wege erneut, bei allen fürs Mitfiebern und Daumendrücken bedanken. Ein besonderes Dankeschön gilt dem Verband Brandenburgischer Segler, unseren Vereinen SV Kloster Lehnin und SGS Potsdam, Trainern, Freunden und Familien, die uns die Teilnahme an der Weltmeisterschaft ermöglicht und uns in dieser aufregenden Zeit stets zur Seite gestanden haben. Die Teilnahme an der Weltmeisteerschaft wurde aber vor allem dadurch möglich, dass  es Sponsoren und Spender gab, die uns finanziell unterstützten. Wir bedanken uns bei den vielen Mitgliedern des SVKL, die gespendet haben, bei Carmen Schmidt vom Edeka-Markt in Lehnin, bei Herrn Andreas Kuhnert, bei Familie Anke und Steffen Dammann sowie bei Familie Leuthäuser aus Kloster Lehnin.

 

Hanna Emmer und Karen Fischer