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Willkommen beim SV Kloster Lehnin

Torsten Lehmann belegte am 16.05.09 bei Europas größtem Cross Ultra Marathon, 72,7km von 2300 Startern Eisenach-Schmiedefeld in einer Zeit von 7:27:43 den 333. Platz und in seiner Ak M40 von ca. 325 Startern den 87. Platz.

Jeder Läufer, der was aus sich hält, läuft von Eisenach nach Schmiedefeld.

Laufbericht:

Es war mein 8. Lauf. In mir sitzen tiefe Eindrücke, Emotionen und Gefühle, dass ich dieses Jahr einmal darüber berichten möchte. Im letzten Jahr lief ich ebenfalls die Strecke, aber nicht wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich bekam eine Bronchitis. Dieses Jahr sollte aber alles besser laufen. Für mich waren die Jahre 06-08 persönlich sehr schwer. Ich habe an mir gearbeitet und hart trainiert, um nicht alles hinzuwerfen, was mir so wichtig ist. Sport bedeutet für mich einfach alles. In meinem bisherigen Leben hat mir Sport, meine Ausdauer und Kondition über die schlimmsten Phasen geholfen. Im Januar fing ich mit dem Training an. Für 6 Wochen ging ich zu einer Psychosomatischen Kur nach Wandlitz. Ideale Lage für meine Einheiten und Zeit dachte ich mir. Aber es kam alles anders. Aufgerührt haben mich die Gespräche und die Konfrontationen mit meiner Vergangenheit. Ich konnte nur ein leichtes Lauftraining absolvieren. Aber ich fühlte mich gut und es blieb mir ja noch der April.

Der Tag zuvor:

Mit meiner Frau fuhr ich am 15.05.09 nach Eisenach. Dort angekommen habe ich zuerst die Unterlagen, meine Startnummer -474- und den Chip geholt. Um etwas Ablenkung zu finden, bummelten wir durch die Stadt. Abends ging es zum traditionellen Kloß essen. Ich genoss die Atmosphäre und überlies die mir schwerverdaulichen Thüringer Spezialitäten den Anderen.

Der 16. Mai:

4:30 endlich klingelt der Wecker. Ich packe die Tasche für den Lkw-Transport nach Schmiedefeld. Meine Laufbekleidung ist vom Goretex - Lauf -schwarz.

5:15 verlasse ich mit großer Anspannung das Hotel und gehe zum Marktplatz. In dem beheiztem Zelt, wo sich viele Läufer aufhalten, bzw. umziehen, aber mich der Geruch an einen Aufenthalt im Alfred-Brehm-Haus erinnert, kann ich nichts anfangen.

Meine Sachen verlade ich auf dem Lkw und warte trotz Morgenkühle (8 °C) an der frischen Luft. 2300 Läufer stehen am Start und ich treffe Bekannte und wir finden für ein paar Minuten Ablenkung und Freude. Die Spannung wächst. Ich bin gut vorbereitet und im Moment ruhig und nicht nervös. Ich stehe im 1. Drittel- 5.Reihe. Mein Kopf ist leer, ich nehme nichts mehr um mich rum wahr, höre nur noch den Startschuss.

An der 1. Verpflegungsstelle kippe ich schnell 2 Becher Wasser runter. Ich renne sehr schnell los. Die erste Etappe geht aus Eisenach Richtung Inselberg immer im Anstieg. Ich sollte mich etwas zurück nehmen, denn für den Abschnitt ab km410 brauche ich Reserven. Es läuft super, ich bin in einer Top-Form und ich habe eine gute Zeit bei km 25.

Bis km30 läuft alles super. Plötzlich kippt die Situation. Es trifft mich wie ein Blitz. etwas geschieht in mir. Ich werde total unruhig und kann nicht mehr weiterrennen. Was passiert nur mit mir? Und warum gerade jetzt? Meine Erinnerungen lähmen mich. Ich komme aus meinem Wettkampftempo raus. Ich höre auf mein Bauchgefühl und lege mich ich in den Wald. Von vorbeiziehenden Läufern werde ich angesprochen, ob alles in Ordnung ist. Ich kann es nicht verstehen, fluche, bin verzweifelt und suche nach einer Antwort. Es lief alles so gut und jetzt liege ich hier. Jetzt lass ich alle Gefühle und Gedanken, die mich in den letzten 3 Wochen beschäftigt haben, vorbeiziehen und reiß mich so zusammen. Ich brauche jetzt die Kraft um weiter zu rennen. Mindestens 30 Minuten vergehen. Ich habe mich etwas beruhigt und gehe bis zur Ebertwiese bei km35. Doch wenn ich nur gehe verliere ich so viel kostbare Zeit. Aber aufgeben, nein, “das kommt nicht in die Tüte“. Auch nachdem ich eine Kleinigkeit zu mir genommen habe, finde ich kein richtiges Tempo. Das Feld rennt an mir vorbei. Ich gehe immer wieder und schleppe mich so bis km 40/42. Ich setze mich ins Gras, mir helfen nur noch positive Gedanken. Ich will keine Zeit mehr verlieren. ICH WILL WEITER. Ich renne los. Am Grenzadler km55 habe ich mich gefangen. Den Blick nach vorne gerichtet und wenn ich mein jetziges Tempo halte, laufe ich sogar meine persönliche Bestzeit. Okay, die Zeit, die ich bis km 37 hatte gehört der Vergangenheit an, ich will mein Ziel erreichen und die letzten Kilometer schaffe ich auch! Nur keine neue Stresssituation!

Die nächste Steigung packe ich locker und bleibe an den Läufern dran. Jetzt ist die Schmücke erreicht, ich trinke etwas. Es sind von hier 8km und habe eine Zeit von 6:45, wenn ich jetzt durchhalte und meine Beine in die Hand nehme, könnte ich eine Zeit unter 7:30 schaffen.

In Schmiedefeld km 70 komme ich an den Gärten vorbei. Die Zuschauer säumen den Weg und feuern uns an, das motiviert. Mit jedem kräftigen Schritt komme ich meinem Ziel näher und ein irres Glücksgefühl nimmt von mir Besitz. Adrenalin wird in Unmengen produziert und rast durch meinen Körper. Mein Herz klopft wild. Am letzten Kilometer hole ich alles aus mir raus. Ins Stadion bin ich vor lauter purer Lust, Freude, Glück “reingeflogen“. Ich fühlte mich leicht und unbeschwert, so als hätte ich alle Sorgen in den Gärten abgeschüttelt.

Auf meiner Urkunde habe ich meine Zeit gesehen, 7:27:43, Platz 333! Obwohl ich fast eine Stunde im Wald gelegen habe, bzw. gesessen. Unglaublich- ich habe mich über Mich, meine Zeit und über den Lauf gefreut. Das ist es, worauf es doch ankommt.

Ich habe gekämpft und wieder gewonnen.

Mit sportlichen Grüßen
 
Torsten L. aus N.
 

Auf jeden Fall freue ich mich auf den 08.05.2010




Profil

Streckenlänge: 72,7km
Starthöhe: 210m ü. NN
Anstieg gesamt: 1490m
Abstieg gesamt: 989m
Höhendifferenz:2479m
Höchster Punkt: 973m ü. NN (Plänkers Aussicht - km 61,7)

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